Ein Ausdruck von Nächstenliebe
Mitteldeutsche Zeitung 04.12.2009
Ein Ausdruck von Nächstenliebe
SOZIALES Die CDU-Frauenunion deckt mit Hilfe zahlreicher Spender einen Geschenketisch für Bedürftige im Köthener Freizeitzentrum. In Klepzig organisiert die BVIK den dritten sozialen Weihnachtsmarkt.
VON UTE HARTLING-LIEBLANG UND CLAUS BLUMSTENGEL
KÖTHEN/KLEPZIG/MZ - Weihnachtsmusik, Tische, voll beladen mit Spielsachen, Geschenkartitel und Haushaltwaren, sowie Kleiderständer - reichlich bestückt mit Wintergarderobe - erwarteten gestern die Besucher des Geschenketisches der CDU-Frauenunion im Köthener Freizeitzentrum an der Rüsternbreite.
Schon eine Stunde vor der Eröffnung warteten rund 60 Bürger aus Köthen und Umgebung auf die Eröffnung des traditionellen Wohltätigkeitsbasars, der schon seit 13 Jahren in der Adventszeit stattfindet. Organisiert wird der Geschenketisch für Menschen mit einem schmalen Portmonee, die sich hier kurz vor Weihnachten Dinge des täglichen Bedarfs aus einer Fülle von Spenden aussuchen können, die Bürger aus Köthen oder aus der näheren Umgebung sowie Firmen zur Verfügung gestellt haben, um bedürftigen Familien ein Weihnachtsfest zu ermöglichen, das sie sich sonst nicht leisten könnten.
"Ich bin wirklich überwältigt."
Huberta von Kerssenbrock
Initiatorin des Geschenketisches
"Wir freuen uns besonders über die vielen Spiele, die uns in diesem Jahr zur Verfügung gestellt wurden, viele davon noch eingeschweißt", sagt die neu gewählte Vorsitzender der CDU-Frauenunion, Kerstin Berlin. Strahlende Kinderaugen seien der schönste Dank für die vielen ehrenamtlichen Helfer und natürlich auch für die Spender selbst. Sicher war auch für die dreijährige Kiara etwas dabei, die gestern mit Mutti und Oma ins Freizeitzentrum gekommen war. Angesichts der vielen Plüschtiere, Puppen, Bücher und Spiele gingen so manchem Kind die Augen über. Auch die eine oder andere Nascherei sowie Obst waren hier zu haben, dank Spender wie dem Hotel Anhalt oder dem Discounter Lidl, die statt Sachspenden Geld für Süßigkeiten oder Obst zur Verfügung stellten.
Auf der Suche nach Kindersachen und Spielzeug für ihre sechsjährige Tochter war auch eine 26-jährige junge Mutter aus Köthen, die schon das zweite Mal beim Geschenketisch reinschaute, wie sie erzählte. "Ich lebe von Hartz IV und bin froh darüber, dass es diese Möglichkeit gibt, ein paar Geschenke für Weihnachten auszusuchen", sagte sie der MZ.
Die Idee zu diesem großen Gabentisch hatte vor 13 Jahren Huberta von Kerssenbrock, angeregt von einem Hamburger Umsonst-Laden. Der erste Weihnachts-Geschenketisch fand in einem Nebenraum des "druckhaus köthen" in der Augustenstraße statt. Die bevorstehende Weihnachtsfeier im Druckhaus führte Frau von Kerssenbrock dieser Tage wieder in ihre ehemalige Heimat zurück. "Da wollte ich natürlich sehen, was aus der Idee von damals geworden ist", erklärte sie bei einem Besuch im Freizeitzentrum. Um gleich hinzuzufügen: "Ich bin wirklich überwältigt".
Das waren auch Kerstin Berlin und Kerstin Koppenhöle sowie ihre rund 20 Helfer von der Frauen-Union, dem Freizeitzentrum oder vom Malteser Hilfsdienst. "Für mich ist das die erste Bewährungsprobe in der neuen Funktion", so Berlin, "der ich mich vor allem in Zeiten der Wirtschaftskrise, die ja jeden treffen kann, gern stelle." Der Geschenketisch sei für sie Ausdruck christlicher Nächstenliebe. Das sieht auch Kerstin Koppenhöle so, Mutter des sechs Monate alten Tim Robert, die mit dazu beitragen möchte, anderen eine Freude zu bereiten. "Viele der Helfer waren drei oder gar vier Tage im Einsatz, um die zahlreichen Spenden anzunehmen, zu sichten und einzusortieren", erzählt die CDU-Landtagsabgeordnete Brigitte Take, die ebenfalls mit zupackte. Bedanken möchten sich die Organisatoren bei allen Spendern, aber auch bei denen, die durch Transportleistungen, Sicherheitsservice oder das Zur-Verfügung-Stellen von Kleiderständern, Tischen und Bänken zum Gelingen des Geschenketisches beitrugen.
Man musste gestern Nachmittag sehr weit in die Kirchstraße in Klepzig hineinfahren, um eine Parkmöglichkeit zu finden. Grund war der Soziale Weihnachtsmarkt der BVIK GmbH ("Bilden, Vermitteln, Integrieren, Kommunale Dienstleistungen"), der zahlreiche Besucher anlockte. Empfangen wurden sie von einem wärmenden Feuerkorb und von Weihnachtsengel Bettina Rückert, die Überraschungstüten für Kinder anbot. Mit ihren Kolleginnen hatte sie kleine Plüschtiere, Spiele und Schokoladen-Weihnachtsmänner hineingepackt. Das wunderschöne Engelskostüm war einst das Brautkleid einer Kollegin, verriet die Mitarbeiterin der BVIK GmbH.
Derartiges Engagement von Mitarbeitern und Teilnehmern an Bildungsmaßnahmen traf man an allen Ständen. "Es macht uns großen Spaß", sagten zum Beispiel Sigrun Rudolph und Edda Hoge. An ihrem Stand gab es weihnachtliche Holzarbeiten aus der BVIK-Werkstatt, von Maßnahme-Teilnehmern gefertigte kunstvolle Gestecke, Plätzchen, Kräuteressig, Marmelade und viele Dinge mehr, zumeist für einen oder zwei Euro. Mit alkoholfreiem Glühwein konnte man sich in der "Glühwürmchen Bar" aufwärmen und die zahlreichen Kinder hatten "Santa´s Blockhaus" in Besitz genommen. Auch die Bastelstände waren dicht umlagert.
Der Renner auf dem Sozialen Weihnachtsmarkt aber waren die runden Brote, die Doris Bahn und Hertha Holz aus dem Backofen zogen. Der Vorschrift entsprechend habe man sie vorgebacken von einer Bäckerei bekommen, erklärte Doris Bahn und betonte: "Brot aus einem Holzbackofen schmeckt viel besser." Das wussten auch die Besucher des Weihnachtsmarktes, und so gingen die Brote weg wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln.
Seit drei Jahren veranstaltet die BVIK diesen Sozialen Weihnachtsmarkt. "Wir wollten etwas für unsere Teilnehmer machen und uns damit für ihre gute Arbeit bedanken", sagte Uwe Raubaum, Leiter der Köthener Niederlassung der BVIK. Die Langzeitarbeitslosen könnten hier schöne Dinge für Weihnachten zu niedrigen Preisen kaufen, informierte er und verwies auf zahlreiche Sponsoren und Unterstützer. Auch eine Tombola und ein kleines Programm gab es, das unter anderem von Kindern aus der Kastanienschule gestaltet wurde. Der Soziale Weihnachtsmarkt sei zwar vorwiegend für die Teilnehmer an Bildungsmaßnahmen, eingeladen seien aber auch die Klepziger. "Da könnten ruhig noch ein paar mehr kommen", ermunterte Raubaum die Nachbarn der BVIK.
